Archiv der Kategorie: Time to burn

Die „Eiserne Hand“ in 300µm

Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie zum Einsatz von Computertomographie als zerstörungsfreie Methode in den Geschichtswissenschaften/Cultural Heritage scannte PD Dr Roman Sokiranski im Rahmen unseres Jagsthausen-Projekts zusammen mit der Familie von Berlichingen die „Eiserne Hand“ des Götz von Berlichingen im Januar 2025 mit einem medizinischen CT.1

Die Ergebnisse waren so vielversprechend, dass nun im Juni 2026 ein weiterer Scan mit einem industriellen CT durch die Firma Hachtel CT und Kamil Szepanski angegangen wurde.2 Bei einem industriellen CT muss weder Rücksicht auf die Strahlenbelastung noch auf die Dauer des Scans gelegt werden, so dass die Auflösung sehr viel höher und die Durchdringung des Materials ungleich besser sind.

Die bessere Auflösung ermöglicht nun zum einen die Identifikation von Details, die auf dem medizinischen CT nur zu erahnen waren, und zum anderen – und bedeutender – die Rekonstruktion als dreidimensionales AR/VR-Modell, das die einzelnen Elemente im Innern in ihrer Funktion identifiziert.

Bereits die ersten Renderings zeigen, dass die Abnutzung im Innern der „Eisernen Hand“ sehr viel stärker ist als bisher angenommen. Die bisher gängige These von der „Sonntagshand“ muss wohl verworfen werden. Zusammen mit den wenigen Spuren auf der Außenseite unterstützt diese Beobachtung die Theorie, dass der Ritter seine Prothese in Kombination mit einem schützenden Handschuh getragen hat, aber dies eben nicht nur zu besonderen Anlässen.

Jetzt wäre es famos, wenn wir die zweite „Eiserne Hand“ aus Balbronn in das CT schieben dürften, um Aufschluss über deren Herstellung und Material zu erhalten.3 Denn noch ist nicht geklärt, aus welcher Werkstatt die beiden (?) Prothesen stammten.

Wir danken Kamil Szepanski und Hachtel CT für die Chance, einen einmaligen Einblick in die „Eiserne Hand“ zu erhalten.

Die Saison in Jagsthausen hat begonnen!
Burgfestspiele Jagsthausen 2026

  1. Sokiranski, Roman/Eidsness, Allyn/Schultes, Kilian: Die „Eiserne Hand“ des Götz von Berlichingen im CT. Erstmalige mehrdimensionale Computertomographie der „Eisernen Hand“ des Götz von Berlichingen (um 1530) zur Funktionsanalyse und holographischen Visualisierung, Heidelberg 2026, online: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:16-artdok-100417 [24.04.2026]. ↩︎
  2. Hildebrand, Joshua: Zum Greifen nah. Goethe machte Götz von Berlichingen und seine eiserne Hand weltberühmt. Nun wurde die Prothese erstmals mit hochauflösender Computertomographie durchleuchtet. Das Ergebnis verblüfft, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14.7.2026 [noch kein Link vorhanden]. ↩︎
  3. Forrer, R.: Die eiserne Hand von Balbronn (Elsaß), in: Zeitschrift für historische Waffenkunde 7 (1915), S. 102–107, online: https://archive.org/details/ZeitschriftFuerHistorischeWaffenkunde07/page/n119/mode/2up [04.03.2025]. Weitere aktuellere Literatur findet sich in unserem Artikel, siehe oben. ↩︎

Online-Ausstellung „Kult(ur)orte. Vergangenheit und Gegenwart der NS-Thingstätten“

Mit dem HGIS Club waren wir bereits etliche Male auf dem Heidelberger Heiligenberg unterwegs. Dort findet sich neben der Resten der Ringwallanlage, dem „Heidenloch“, den Ruinen der beiden Klöster St. Michael und St. Stephan auch die große Freilichtbühne aus der Zeit des Nationalsozialismus, die „Thingstätte“.

Im Rahmen einer Lehrveranstaltung der Universität Heidelberg unter Leitung von PD Dr. Stefanie Samida und Eva-Maria Heindl haben Studierende im vergangenen Sommersemester eine virtuelle Ausstellung mit dem Titel „Kult(ur)orte. Vergangenheit und Gegenwart der NS-Thingstätten“ erarbeitet. Mittlerweile ist sie auf dem Server der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) abrufbar.

https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/ns-thingstaetten

Unserem Ausstellungskonzept liegt die Motivation zugrunde, das Augenmerk bewusst auf einen Teil der Geschichte zu richten, dessen Spuren unsere Öffentlichkeit bis heute zwar noch sichtbar durchziehen, aber vielerorts nicht mehr bewusst reflektiert werden. Denn paradoxerweise ist Geschichte ja gleichzeitig sichtbar und doch unsichtbar. Wir hoffen, unseren virtuellen Besucher*innen damit einen Kontext begreiflich und verständlich werden zu lassen, dessen tieferliegende Schichten ansonsten vielfach übersehen werden. 

Heidelberger Thingstätte [Foto: KPS / Januar 2024]

Wieslocher Bergbauwanderweg

Im Juli 2020 waren wir mit Dr. Ludwig Hildebrandt auf Exkursion auf dem Wieslocher Bergbauwanderweg unterwegs. Unsere Route haben wir als .gpx-File gespeichert und nun mit den ergänzten Highlights der Führung in der Routenplanungs- und Navigations-App „Komoot“ zusammengeführt. Der „Bergbau-Rundwanderweg Wiesloch/Baiertal“ findet sich nun in Komoot und kann zur Navigation genutzt werden.

Richard Evans Schultes‘ Amazonian Travels

via boingboing

Aufwendige interaktive Karte zur Illustration der Reisen des Ethnobotanikers Richard Evans Schultes (1915-2001) mit vielen Zusatzinformationen. Realisiert durch das Amazon Conservation Team mit ArcGIS: https://www.banrepcultural.org/schultes/

Richard Evans Schultes' Amazonian Travels

Leider funktioniert bei mir das Scrollen im Text links nur sehr umständlich. Dadurch habe ich beim ersten Betrachten viele Informationen übersehen.

15past15 – Global History Podcast (Digital History Lab, Zürich)

15past15 is a podcast which discusses how the past is made, and by whom.

15past15’s first season focused on history and history-writing in East Asia, from the sixteenth century to today. Interviewees debated the indigenous historical traditions of China and Japan in particular, and the ways that understandings of the past evolved at times of acute political and societal change.

Its second season examines changing understandings of Wealth / Reichtum / Richesse, from the medieval to the modern, and from Europe to Asia, the Americas, and beyond. What was the relationship between wealth and natural resources? How has wealth been expressed, both intellectually and in terms of material culture? How have wealth inequalities affected power, health, and global development? And why should historians care?

https://www.hist.uzh.ch/de/dhl/podcast.html

Leiden University Libraries: Digital Collections mit mehr als 3 Mio. Objekten online

Over 3 million digital objects available from Leiden’s Special Collections. 
Leiden University Libraries (UBL) is making over 3 million digital objects (more than 60TB) available worldwide for education, research and the general public through its new website Digital Collections. The new website offers digitised books, manuscripts, prints, drawings, maps, photographs and music from Leiden’s Special Collections. Digital Collections features digitised or born-digital material from the UBL. The website provides access to Leiden’s rich and diverse collections, including the mythic epic La Galigo which has been recognised in UNESCO’s Memory of the World Register, Maps and Atlases, Anatomical Drawings, letters by and to Carolus Clusius (1526-1609), Photo Albums, Western Medieval Manuscripts and Southeast Asian Pop Music. [Press Release]

UBL Digital Collections, https://digitalcollections.universiteitleiden.nl/
via Archivalia.

Maps in Libraries, März 2019

Die Folien zur internationalen Konferenz „Maps in Libraries“ des Projekts „GeoPortOst“ am 13./14.3.2019 in Regensburg sind online auf der Webseite des Leibniz-Institute for East and Southeast European Studies (IOS) verfügbar: http://geoportost.ios-regensburg.de/mapsinlibraries2019/.

Für jede/n, der/die sich für historische Karten interessiert, wird die Lektüre der einzelnen Folien einen großen Gewinn darstellen. Mein persönlicher Favorit sind die Folien von Chris Fleet von der National Library of Scotland.

Vielen Dank für die Veröffentlichung aus Heidelberg!