Am Donnerstag, den 30. Juli 2026, fand in Kooperation der Übung „Geschichte|Medien: ‚Geborene Verbrecher‘?“ mit dem HGIS Club ein Workshop im Strafvollzugsmuseum in Ludwigsburg statt (Dr. Sara Doll / Dr. Kilian Schultes). Das Museum mit Archiv ist einzigartig in Deutschland: Webseite und Instagram.
Dr. Viehöfer und Denis Bury
Wir bedanken uns bei Dr. Viehöfer und Denis Bury für die inspirierenden Eindrücke, die lebhaften Diskussion, nimmermüden und geduldigen Antworten sowie, vor allem, die viele wertvolle Zeit, die sie uns gewidmet haben. Mit einer Menge an neuen Ideen sind wir – beseelt – spät am Abend nach Heidelberg zurückgekehrt: Fragen für B.A.-/M.A.-Arbeiten und Promotionen noch und nöcher. Das Fundament für weitere Abenteuer ist gelegt.
Obendrauf der Vortrag zu den Scharfrichter-Familien im Süden aus mehr als berufenem Munde: Helmut Belthle entstammt selbst einer Scharfrichter-Dynastie. Sein ebenso enzyklopädischer wie breit interdisziplinärer Wissensschatz lässt einen staunen. Wir müssen unbedingt zusammen eine Kartierung des Wirkungsraums der einzelnen Familien angehen!
Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie zum Einsatz von Computertomographie als zerstörungsfreie Methode in den Geschichtswissenschaften/Cultural Heritage scannte PD Dr Roman Sokiranski im Rahmen unseres Jagsthausen-Projekts zusammen mit der Familie von Berlichingen die „Eiserne Hand“ des Götz von Berlichingen im Januar 2025 mit einem medizinischen CT.1
Die Ergebnisse waren so vielversprechend, dass nun im Juni 2026 ein weiterer Scan mit einem industriellen CT durch die Firma Hachtel CT und Kamil Szepanski angegangen wurde.2 Bei einem industriellen CT muss weder Rücksicht auf die Strahlenbelastung noch auf die Dauer des Scans gelegt werden, so dass die Auflösung sehr viel höher und die Durchdringung des Materials ungleich besser sind.
Die bessere Auflösung ermöglicht nun zum einen die Identifikation von Details, die auf dem medizinischen CT nur zu erahnen waren, und zum anderen – und bedeutender – die Rekonstruktion als dreidimensionales AR/VR-Modell, das die einzelnen Elemente im Innern in ihrer Funktion identifiziert.
Bereits die ersten Renderings zeigen, dass die Abnutzung im Innern der „Eisernen Hand“ sehr viel stärker ist als bisher angenommen. Die bisher gängige These von der „Sonntagshand“ muss wohl verworfen werden. Zusammen mit den wenigen Spuren auf der Außenseite unterstützt diese Beobachtung die Theorie, dass der Ritter seine Prothese in Kombination mit einem schützenden Handschuh getragen hat, aber dies eben nicht nur zu besonderen Anlässen.
Jetzt wäre es famos, wenn wir die zweite „Eiserne Hand“ aus Balbronn in das CT schieben dürften, um Aufschluss über deren Herstellung und Material zu erhalten.3 Denn noch ist nicht geklärt, aus welcher Werkstatt die beiden (?) Prothesen stammten.
Sokiranski, Roman/Eidsness, Allyn/Schultes, Kilian: Die „Eiserne Hand“ des Götz von Berlichingen im CT. Erstmalige mehrdimensionale Computertomographie der „Eisernen Hand“ des Götz von Berlichingen (um 1530) zur Funktionsanalyse und holographischen Visualisierung, Heidelberg 2026, online: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:16-artdok-100417 [24.04.2026]. ↩︎
Hildebrand, Joshua: Zum Greifen nah. Goethe machte Götz von Berlichingen und seine eiserne Hand weltberühmt. Nun wurde die Prothese erstmals mit hochauflösender Computertomographie durchleuchtet. Das Ergebnis verblüfft, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14.7.2026 [noch kein Link vorhanden]. ↩︎
Der vierte Workshop unserer binationalen Reihe zu Landschaftsgeschichte & Fotografie zusammen mit dem französischen Kulturzentrum Foyer International d’Etudes Françaises, kurz: FIEF, fand aufgrund dessen hoffentlich nur kurzer Zwangspause ausnahmsweise nicht in der Drôme provençale [FIEF TROIS | Galerie], sondern in der Toskana Deutschlands, der Südpfalz, und im Nordelsass statt. Ausgangspunkt war die „Heilsbach“ nahe Schönau (Pfalz).
Die künstlerische Leitung hatte der Annweiler Fotograf Yannick Scherthan inne. Visuelle Kommunikation ist zur Vermittlung von historischem Wissen an eine breitere Öffentlichkeit von grundlegender Bedeutung, so dass eine entsprechende Vertrautheit mit Grundtechniken, Stilen und Formen der Fotografie von großem Nutzen für die berufspraktische Ausbildung im Geschichtsstudium ist. Zugleich erlaubt das eigene Fotografieren auch einen tiefergehende Analyse historischer Bildquellen hinsichtlich der technischen Rahmenbedingungen. Von Seiten des Historischen Seminars/Universität Heidelberg übernahm Kilian Schultes mit Dirk Eller den geschichtswissenschaftliche Part.
Herzliche Grüße gehen an Maria Komander und Charles de Borgraef in die Drôme provençale – wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen in Südfrankreich 2027!
Von Sonntag, den 14.6.2026, bis Freitag, den 19.6.2026, erkundeten wir unter sachkundiger Führung die Region. Wir danken allen, die uns unterstützt haben, für die Bereitschaft, so kurzfristig einzuspringen, und für die so gelungenen Einblicke. Zuletzt auch für die Geduld, die alle für unsere zu den Führungen parallele begleitete Fotografieren aufbrachten. Besonderer Dank gilt dem Trifelsverein e.V. für die Finanzierung des Besuchs auf dem Trifels.
Programm des Workshops FIEF QUATRE / FIEF in EXILE
14.6.2026
Landauer Fort & Minengänge mit Manfred Ullemeyer, Kultur- und Weinbotschafter Pfalz
Sonnenuntergang auf dem Drachenfels
15.6.2026
Ölquellen und -förderung in Merkwiller-Pechelbronn, Fabrikgelände mit Ehepaar Ernest et Angèle Jost (Musée Français du Pétrole). Herzlichen Dank an Véronique Schönfelder (Médiatrice culturelle du musée / Musée Français du Pétrole) für die Organisation. Wir drücken die Daumen, dass das einzigartige Museum bald wieder eröffnen kann!
Wanderung Burgen Neu- und Alt-Windstein, Maginot-Linie oberhalb Günsthalpass [Komoot-Route] sowie Ancienne Forge de Jaegerthal
17.6.2026
Le Charbonnier, Thalenberg, nordwestl. Lembach, Wanderung mit Charles Schlosser, neues Dokumentationszentrum „La Meule“ unterhalb Burg Fleckenstein [ausführlicher Bericht mit Fotos]
Führung durch den Trifels mit Björn Kilian (Trifelsverein e.V.) zum Thema Visuelle Repräsentation und politische Bedeutung des Trifels in der Neuzeit und Zeitgeschichte.
Im Rahmen unseres Workshops „FIEF QUATRE“ (14.-19.6.2026) führte uns Charles Schlosser am 17.6.2026 vorab durch das brandneue Info- und Museumszentrum „La Meule“ der Flackstaaner Kohlebranner/Charbonniers am Fuße der Burg Fleckenstein im elsässischen Lembach. Der architektonisch innovative Holzbau erinnert in seiner Form an einen riesigen, verkohlten Meiler und widmet sich im nicht weniger spektakulären Innern der Geschichte und Technik der Holzkohle sowie dem historischen Beruf der Köhler. Der Bau ergänzt die Stationen auf dem bereits bestehenden Köhlerweg zwischen der Burg Fleckenstein und dem Gimbelhof („Auf den Spuren der Köhler“).
Die offizielle Eröffnung ist für den 4.7.2026 im Rahmen der Feierlichkeiten zum 25jährigen Jubiläum der Kohlebranner vum Flackstaan geplant [Programm].
Sie möchten zum Bau von „La Meule“ beitragen? Auf der Webseite der Kohlebranner finden Sie weitere Informationen: Faire un don pour la «Meule»!
Wir bedanken uns sehr herzlich bei Charles Schlosser für den exklusiven sneak-preview!
Literatur
Literatur: Schlosser, Charles: Le Charbonnier, ne longue Histoire, Bernardswiller 2021 (mit kurzer deutschsprachiger Zusammenfassung).
Fotos vom Besuch „La Meule“
Fotos: Dirk Eller & Kilian Schultes
Wanderung zu „La Meule“
Komoot-Tour vom Parkplatz gegenüber Camping Fleckenstein über den Nordosthang des Thalenbergs über den Gimbelhof zum Köhlerweg und dann zur Ausstellung „La Meule“. Verpflegung, Eis, Kuchen und Getränke gibt es in der Gastronomie direkt an der Burg Fleckenstein!
Anlässlich der Veröffentlichung des Aufsatzes „Die ‚Eiserne Hand‘ des Götz von Berlichingen im CT“ am gestrigen Donnerstag, den 23.4.2026, findet heute in Handschuhsheim ein gleichnamiger, von Dr. Richard Leiner organisierter Vortrag statt. Wir freuen uns auf regen Besuch!
(c) Andreas Langen / die arge lola
Sokiranski, Roman/Eidsness, Allyn/Schultes, Kilian: Die „Eiserne Hand“ des Götz von Berlichingen im CT. Erstmalige mehrdimensionale Computertomographie der „Eisernen Hand“ des Götz von Berlichingen (um 1530) zur Funktionsanalyse und holographischen Visualisierung, Heidelberg 2026, online: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:16-artdok-100417 [24.04.2026].
Vielen Dank an das Team der UB Heidelberg!
Abstract: Die erstmalige mehrdimensionale Computertomographie der „Eisernen Hand“ des Götz von Berlichingen (um 1530) durch den Radiologen Priv.-Doz. Dr. med. Roman Sokiranski und den Uhrmachermeister und Restaurator Allyn Eidsness erfolgte im Rahmen des interdisziplinären Projekts „500 Jahre Bauernkrieg und Götz von Berlichingen“. Die Machbarkeitsstudie zur digitalen Erfassung der vielleicht bekanntesten Prothese Deutschlands nutzte ein hochauflösendes medizinisches CT in Heidelberg. Sie verfolgte mehrere Ziele und Produkte jenseits der Dokumentation der zerstörungsfreien Methode im Rahmen des Kulturgüterschutzes: Eine dreidimensionale, digitale Darstellung der Prothese von außen und innen; das Erstellen eines digitalen Datensatzes; eine Funktionsbeschreibung und Beurteilung des Objektzustandes aus restauratorisch-konservatorischer Sicht unter Einbeziehung der Ergebnisse aus dem CT und die Produktion eines Videos zur Erklärung der Funktionen der passiven Prothese.
auf einer Wiese auf dem anderen Jagstufer gegenüber der Götzenburg das moderne Pendant eines der Museumsstücke im dortigen Museum in Aktion zu erleben sein. Geschossen wird mit der Replik einer Hakenbüchse aus Bronze aus dem Jahr 1564. Das Original wird auch zu sehen sein. Planung, Einführung und Durchführung mit Dr. Heiko P. Wacker. Zuschauer sind herzlich willkommen!
Weitere Details bitte dem entsprechenden Artikel im Mitteilungsblatt Jagsthausen vom 9.4.2026 entnehmen (ca. 1,6 MByte).
Der HGIS Club trauert um unseren Kollegen und Freund Prof. Dr. Fletcher Ranney DuBois, der am 17.2.2026 von uns gegangen ist.
Wir erinnern uns an die schönen Geschichte|Medien-Lehrveranstaltungen – „R.M.S. Titanic“ bis „Vietnam“ im Film – und die Spontan-Lieder wie auch die sich anschließenden Diskussionen in „Yufkas“ am Heidelberger Marktplatz.
Aktualisierung vom 11.3.2026: Die Beisetzung von Prof. Dr. Fletcher Ranney DuBois findet am 8. Mai 2026 um 11 Uhr auf dem Heidelberger Bergfriedhof statt.
Recherchen und Einführung zu „Ich war eine männliche Kriegsbraut“ [„I Was a Male War Bride“] (USA 1949) durch Majka Bressa, Mil Gaspar, Emma Hartlieb, Maximilian Hege, Paula Langner, Markus Baier zusammen mit Ferhat Neptun (Medienforum Karlstorkino), Dr. Heiko Wacker, Dr. Michael Braun (Stadtarchiv Heidelberg), Dirk Eller & Dr. Kilian Schultes im Rahmen des Projekts „Film in Heidelberg: Kinos und Drehorte“ des HGIS Clubs im Wintersemester 2025/26. „You can’t sleep here …“: Der Film „IWas a Male War Bride“ wurde teils in Heidelberg und Umgebung gedreht. Die Crew wohnte während des Drehs ab September 1948 vor Ort.
Jüngst erschienen: Doll, Sara/Strobel, Karen/Deutsch, Andreas: „Wohlgerichtet“. Vom Schafott in die Anatomie Heidelberg, mit einem Vorwort von Michael Tsokos, Arnstadt 2025 [zum Verlag].
Sara Doll, Anatomie Heidelberg, Karen Strobel, MARCHIVUM/Mannheim, und Andreas Deutsch, Juristische Fakultät, schlagen auf der Suche nach den Schicksalen hinter den „Objekten“ in der Heidelberger Sammlung einen faszinierenden Bogen über die Geschichte der rechtlichen Grundlagen der unfreiwilligen „Körperspenden“ der Hingerichteten und der Rolle der Scharfrichter hin makroskopischen Präparaten und histologischen Schnitten.
Die Kommiliton:innen in der Übung „Dry Bones“ im vergangenen Wintersemester am Historischen Seminar (Doll/Schultes) hatten das Privileg, dem Buch im Dialog mit Sara Doll quasi beim Entstehen zuzuschauen. Hinrichtungen waren vielfach öffentliche Ereignisse.
Die räumliche Rekonstruktion der Laufwege liefert Hinweise zum Charakter der und zur Intention hinter der Inszenierung, wie z.B. bei der Enthauptung des Mörders Sebastian Zink am 6.7.1838 in Rastatt, dem das „Offenburger Wochenblatt“ in seiner Beilage vom 13.7.1838 zuschrieb, dass er „bis zum letzten Augenblick eine Verstocktheit, eine Frechheit und eine fast thierische Roheit“ zeigen würde [Digitalisat über Deutsches Zeitungsportal/Badische Landesbibliothek].